Schreibraum

NachLese


Kostproben von Teilnehmenden aus Kursen und Workshops

Ein Rondell

Im Zauber des Lichtbaumwaldes
rettet sich das Leben
in ein gelb und blutrotes Feuerwerk.
Im Zauber des Lichtbaumwaldes
verabschiedet sich der Sommer
und weicht kürzeren Tagen.
Im Zauber des Lichtbaumwaldes
Rettet sich das Leben.

entststanden im Schreibworkshop "Schreiben und Schmökern im Buchcafé"/Peter & Paula in Ratingen
Amo Deya

Regenbogen

Und dann geschah es, dass die Sonne durch die Wolken brach und durch die glitzernden Regentropfen schien. Am Himmel entstand ein leuchtender Regenbogen. Dies war ein Zeichen, dass sich jetzt alles verändern würde.

Sie musste nur auf den Regenbogen zugehen. Er spannte sich weit über das Tal, Anfang und Ende verschwanden hinter den Hügeln. Sie ging den Pfad hinunter ins Tal, durch die Wiesen, die noch vom Regen leuchteten, kleine Rinnsale fanden ihren Weg hinab. Es war schon länger her, dass sie ihre Umwelt überhaupt wahrgenommen hatte. Jetzt leuchtete es und glitzerte es in allen Farben. War doch nicht alles so dunkel und grau? Würde sich eine Lösung in dieser bisher scheinbar hoffnungslosen Situation finden?

Es schien jetzt keine Eile zu haben. Es würde sich finden ... bald schon. Sie war auf dem Weg. Es kehrte Ruhe ein und eine große Zuversicht erfüllte sie. Es gab nicht nur eine, sondern viele Möglichkeiten. Sie hatte die Wahl. Niemand konnte ihr vorschreiben, was zu tun wäre. Sie musste nichts einfach hinnehmen.

Sie blickte hoch. Die Wolken - aber auch der Regenbogen waren verschwunden. Nur noch die Sonne schien.
Gisela Girke, Januar 2018

Kappadokien

TANKA (erweitertes Haiku)

In die Luft steigen
der Himmelsbläue so nah
Ballast abwerfen
Feenkamine sehen
Schwebezustand genießen
Doris Peukert-Al-Delaimi

Das Haus der Sarah Kirsch

Über westliche Wiesen kommend,
sehe ich es im Versteck kahler Januarbäume,
gleichmütig den Jahreszeiten überlassen,
ausgesetzt dem Wind,
stillgelegt: das alte Schulhaus.
Vertrocknet, das Weinlaub vor den Fenstern,
die Farbe kommt vom Blau der Plastikeimer.

Ohne ordnende Hand,
sich selbst preisgegeben
graue Läufer im Flur,
feuchte Bücher im Regal.
Ohne poetischen Blick
nur Steine,
nur Papier,
nur verwilderter Garten,
nur Wiesen,
nur Deich,
nur Fluss.
Tänzerinnen,
eingeritzt in die staubigen Scheiben der Haustür.
Verschwiegen,
die Gedanken der Schatten.
Tanzen auf der Urne.

Zieht mich auf die Strasse hinaus,
das Licht der wenigen Laternen meidend,
immer dem Nordlicht nach.
Nahe Tielenhemme lege ich das Katzenfell an,
so zu begrüßen die Rote Füchsin.
Sie trug heute das Krähengewand,
hat, mich beobachtend
von den mitwisserischen Pappeln aus,
schon lange erspäht,
da die Konstellation der Sterne günstig ist.
Elke Schatten, 2018

Wer bin ich?

Wer bin ich?
Äußerst schwierige Frage
Ich bin so Vieles
was sich auszuschließen scheint.
Ich bin nicht Entweder-Oder,
Ich bin Sowohl als Auch
Ich kenne mich zu gut
Um mich beschreiben zu können
Hilla Walter

Frühling

Der Körper,
noch von Kälte verschreckt,
dehnt sich
in der Wärme.
Die Schaukel fliegt hoch
durch die warme Luft.
Die Vögel - so laut,
so lustvoll.
Das leuchtende Gelb
der Forsythien –
fast wie ein Freudenschrei
Hilla Walter

Nicht Alles ...

Nicht Alles geht mehr
Mit lila Melancholie
Noch lustvoll leben
Hilla Walter

Ein Möbelstück aus Omas Küche erzählt

Hier stehe ich nun wie angewurzelt seit Jahren an der gleichen Stelle herum, in der Wohnküche von Oma Erlte, wo sich das ganze Leben abspielt.
Ich bin ein alter, wuchtiger Küchenschrank mit geschwungenen Fronten und einer Ablage im Mittelteil, zu dem auch ein Regal und eine Vitrine gehören. Meine Farbe ist rostbraun, doch ich habe schon vergessen, aus welchem Holz ich eigentlich geschnitzt bin.
Oma humpelt schwergewichtig durch die Küche und setzt auf ihrem Eisenherd Wasser auf, mit dem sie gleich Kaffee kochen will. Denn Tochter Sigrid aus Delmenhorst wird erwartet gegen vier, mit ihren drei Jungs will sie – wie immer am Freitagnachmittag – zu Kaffee und Kuchen vorbeischauen. Den Kuchen hat Oma natürlich schon am Vormittag frisch gebacken, den guten Zitronenkuchen mit mindestens vier oder fünf Eiern, wie sie immer betont.
Um ihre Füße herum wuselt und wirbelt Dackel Waldi, er wartet ungeduldig darauf, dass mal ein Leckerbissen oder wenigstens ein paar Streicheleinheiten für ihn abfallen.
Auf meiner freien Fläche im Mittelteil steht ein Altersgenosse, ein massives Radio von anno dazumal. Nun kommt Oma herübergehumpelt und knipst es an. Sie will sich wohl mal wieder über die neuesten Nachrichten informieren. Dann gibt’s auch gleich genügend Gesprächsstoff mit der Tochter und den Enkeln.
Sie öffnet die rechte knarrende Tür meines Oberteils und nimmt das Kaffeegeschirr heraus.
Hoffentlich wird’s wieder ein froher, vergnüglicher Nachmittag.
Doris Peukert-Al-Delaimi

Rondell

Die Religion des Hungers ist Essen
Deutschland, wie es isst
Unser Kohl ist ein Super-Food
Die Religion des Hungers ist Essen
Jetzt im ausgewählten Handel
Wie groß, wie grün, wie schön
Die Religion des Hungers ist Essen
Deutschland, wie es isst
Irmin Schmuck

Seit einiger Zeit ...

Seit einiger Zeit herrschte Unruhe unter den Wörtern.
Der Leichtsinn, der Frohsinn und der Unsinn stritten darüber, wer wichtiger sei.
Der Geschmackssinn fand diese Auseinandersetzung sehr unappetitlich und der Formsinn mehr als anstössig.
Als nach Tagen sinnlosem Herumgerede immer noch keine Einigung in Sicht war, machte die Sinnkrise folgenden Vorschlag:
Unsinn, Frohsinn und Leichtsinn sollten ihren Streit dem Lebenssinn vortragen, damit dieser ihnen zu einer sinnvollen Entscheidung verhelfen könnte.
Alle Wörter fanden diese Idee sehr sinnstiftend, allein der Irrsinn hielt alles für Blödsinn.
Nun kam Bewegung in die Wörter. Frohsinn und Unsinn sinnierten zurückgezogen über ihre Sinnhaftigkeit, allein der Leichtsinn entsprach wieder einmal vollkommen seiner Bedeutung, indem er die ganze Angelegenheit auf die leichte Schulter nahm und einen Mangel an Überlegung und Vorsicht erkennen liess.
Der Lebenssinn war von recht ernsthafter Natur und lebte sehr zurückgezogen. Um überhaupt in seine Nähe zu gelangen, hatte der Suchende eine erste Entscheidung zu treffen.
Vor ihm lagen drei kostbar gewebte Teppiche, auf denen je eine Frage eingearbeitet war.
Die Fragen lauteten:Woher kommen wir?
Wohin gehen wir?
Wie sollen wir leben, um unseren
Daseinszweck zu erfüllen?
Hatte der Besucher eine Frage ausgesucht, betrat er den passenden Teppich und konnte sein Anliegen vortragen.

Unsinn, Frohsinn und Leichtsinn, obwohl noch immer uneins miteinander, fanden sich alle drei sehr schnell auf dem Teppich der dritten Frage wieder.
Ein wenig eng wurde es und Berührungen ließen sich nicht vermeiden.

Der Frohsinn meldete sich zuerst zu Wort.
Ich verkörpere Daseinsfreude, Lebenslust und Heiterkeit und stehe damit dem Glück sehr nahe, deshalb bin ich wichtiger als der Unsinn und der Leichtsinn, sprach‘s und hüpfte vor Freude in die Luft.

Das mag für dich sinnvoll sein, sagte der Unsinn, aber wie langweilig wäre das Leben ohne meine Possen und Verrücktheiten?

Beide schauten nun den Leichtsinn an, der entgegen seiner Gesinnung unerwartet tiefsinnig vor sich hin sann.
Ihr wisst, sprach er, dass ich noch im 16. Jahrhundert bei den Menschen wegen meiner Hemmungslosigkeit sehr beliebt war, erst später warf man mir Torheit und Egoismus vor.
Hält man mich auch heute für bedenkenlos, unvorsichtig, liederlich und unbekümmert, so bin ich doch ein wichtiger Ausgleich zu euch beiden, denn durch mich bekommt das Leben Höhen und Tiefen.

Nun traf es sich sehr günstig für alle drei Sinne, dass es dem Lebenssinn vor gar nicht allzu langer Zeit gelungen war, aus einer etwas frivolen Eskapade mit heiler Haut und viel Glück noch einmal davongekommen zu sein.
Er hatte sich dem Leichsinn hingegeben und seiner Sinneslust ausgiebig frönen können, nun aber im Frohsinn seinen Gleichmut wiedergefunden und seine Torheit mit leichter Wehmut als Unsinn erkannt.

Deshalb schlichtete er den Unfrieden unter den Sinnen mit folgender Begründung:
Damit der Mensch das Leben in seiner ganzen Fülle begreifen lernt, braucht es auch die Vielfalt aller Sinne.
Die Kunst des Lebens aber besteht in dem angemessenen Gebrauch derselben.

Plötzlich entstand ein Tumult auf den Zuschauerrängen.
Der Übermut und der Unmut zerrten gemeinsam die Langeweile hinter sich her, rempelten dabei den Bombast und die Wichtigkeit an, bauten sich vor dem Lebenssinn auf und riefen:
Geht‘s nicht eine Nummer kleiner?

Der Lebenssinn dachte für seine Verhältnisse nur sehr kurz darüber nach, dann antwortete er: „Ja“
und lud alle zum Tee ein.
Elke Schatten

Cut up-Gedicht - „Ein Projekt für verhängnisvollen Erfolg“ / Brian Gysin

Veränderung
Wirtschaft als Krieg
Dann lieber Selbstversorgung
Sommer bei Maria Luise Grün
Säen, ernten, essen
Überfüllung der Kühltruhe
Komfortabel
Nachhaltigkeit – Energiesparen
Grünes Lebensgefühl
Die Füße jucken bis in die Spitze
Wachsen durch Bildung
Irgendwann ist alles gesagt
Irmin Schmuck


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